Personal Trainer – Tiefenwirksames 3-D Training, mit dem oszillierenden Trainingsstab
Praktische Anwendung mit Übungsbeispielen Markus Gunsch
Rückenschmerzen, einseitige Belastung, schlechte Haltung, Bewegungsmangel und Muskelschwäche sind Begriffe, die irgendwann jedem von uns begegnen. Dabei sind die Betroffenen immer jünger, die Krankheitsbilder werden immer vielfältiger und die möglichen Therapien immer komplexer. Nicht selten haben Patienten bereits einen langen Leidensweg hinter sich, begleitet von Therapien, die auf relativ passiven und eintönigen Behandlungsmethoden basieren. Gefragt sind also Trainings- und Behandlungsmethoden, die auf möglichst einfache Art und Weise jederzeit in unseren Alltag integriert werden können, nachhaltig wirken und dabei auch noch Spaß bringen.
Das 3-D Training ist vielfältig einsetzbar
Oszillierende Trainingsstäbe ( .s 953) (Abb. 1) sind multifunktionale und 3-dimensionale Trainings- und Therapiegeräte, die in physiotherapeutischen Praxen, zu Hause, im Fitness-Studio oder Sportverein wie auch am Arbeitsplatz einfach einsetzbar sind. Durch die Oszillation kann man den Körper als Ganzes trainieren und die Kondition steigern. Freie Bewegungen im Raum sind dabei sehr effektiv, denn jede unserer Alltagsbewegungen ist in ihrem natürlichen Ablauf dreidimensional. Durch die oszillierenden Vibrationen des Stabs werden nicht nur isolierte Muskeln stimuliert, sondern ganze Muskelketten (Müller-Wohlfahrt & Schmidtlein 2007).
Das Muskel-Trainingsgerät lässt sich in Einzel- oder Gruppenbehandlung vielfältig einsetzen, zum Beispiel in Orthopädie, Chirurgie, Traumatologie, Neurologie, Gynäkologie und Rheumatologie sowie in der Prävention und Rehabilitation. Das Training ist somit bei zahlreichen Indikationen aus den verschiedenen Fachbereichen anwendbar, zum Beispiel bei degenerativen und chronischen Wirbelsäulenerkrankungen, in der Skoliose-Therapie, nach Wirbelsäulen- und Beckenfrakturen. nach Hüft- und Kniegelenksoperationen, bei Arthrose und Osteoporose, bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, bei Querschnittslähmung zur Stärkung der Rumpf-, Schulter- und Armmuskulatur und Herzkreislauftraining, zur Sturzprophylaxe für Senioren und als Schwung- und Techniktraining für Golfer. Eine Rücksprache mit dem Arzt ist angezeigt bei Hypertonie, akuten Entzündungen in den zu beübenden Regionen, ein bis zwei Wochen nach Bandscheibenoperationen, massiven Bandscheibenproblemen mit neurologischer Symptomatik, koronaren Herzerkrankungen (KHK) in der Akutphase. in den ersten Monaten nach Myokardinfarkt, bei. Herzinsuffizienz (NYHA III/IV) und entzündlichen Herzerkrankungen, bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Stadium III- IV), bei Hirngefäßerkrankungen, Bauchaortenaneurysma, Schwangerschaften ab dem sechsten Monat sowie bösartigen Tumoren und Metastasen. Patienten sollen für die Stabilisationstherapie mit dem Stab schmerzfrei beziehungsweise schmerzarm sein, da Schmerz zur Inhibition der primär stabilisierenden Muskulatur führen kann.
Rhythmisch-neuromuskuläre Stimulation ist effektiv
Auf Vibration beruhende Trainingsformen wirken effektiv auf die Muskulatur und deren Kraftleistungsfähigkeit - dies zeigen Studien zur rhythmisch-neuromuskulären Stimulation (Rieger et al 2003). Der in Schwingung gebrachte Stab bewirkt durch seine Vibration eine reflektorische Anspannung des Rumpfes, die ansonsten nur sehr schwer erreicht werden kann, da eine willkürliche Ansteuerung nicht möglich ist. Bei diesem Training arbeiten die tief und medial liegenden Rückenstrecker. die gesamte Bauchmuskulatur sowie der Beckenboden gegen die auf den Körper wirkende Schwingung. Auch zu schwach ausgeprägte Mm. multifidii können spezifisch trainiert werden (Müller-Wohlfahrt & Schmidtlein 2007). Die effektive Wirkungsweise des Trainings hängt jedoch auch von der Qualität der Übungsausführung ab. Beispielsweise spielen Schwungebenen. Schwungrichtungen, Griffvariationen, Winkelstellungen, Einbau von Rotation und die Kombination mit anderen Hilfsmitteln eine wichtige Rolle.
Praktische Anwendungsmöglichkeiten und Trainingsvariablen
Die Trainingsintensität wird bestimmt durch verschiedene Variablen und deren Kombination, zum Beispiel Größe des Bewegungsausschlags, Geschwindigkeit der Bewegung, Bewegungsrhythmus, -frequenz und -richtung, Schwungebenen, Griffvariationen (Abb. 2). Die Intensität, die mit dem Stab erzielt wird, hängt von der jeweiligen Übung, dem Armhebel oder der Armamplitude, der Schwingungsintensität und der Dauer der Aufrechterhaltung der Schwingung ab (Tab. 1). Zu Trainingsbeginn sollte man nicht zu lange "am Stück" schwingen. Wenn nötig, kurze Schwungpausen einlegen und andere Übungen ohne Schwingung dazwischen schalten. Die Trainingshäufigkeit liegt im Idealfall bei zwei bis drei Einheiten pro Woche für mindestens 10 bis 15 Minuten. Es ist günstig, mit einer niedrigen Amplitude zu starten und dann langsam zu steigern. Die Schwungdauer richtet sich nach Kraft, Ausdauer und Koordinationsvermögen des Patienten. Anfängliche Schwierigkeiten sind ganz normal und sollten nicht zum vorzeitigen Aufgeben führen. Solange der Trainingsstab in Schwingung ist, sind die Muskeln aktiv und daher der Rücken geschützt. Deshalb sind Positionswechsel des Oberkörpers wie Flexion, Seitneigung und Rotation optimal, wenn der Stab schwingt
Auf geprüfte Qualität achten!
Bei der Anschaffung des Traininggerätes ist jedoch Vorsicht geboten, denn auf dem Markt gibt es verschiedene Modelle oszillierender Trainingsstäbe von unterschiedlichsten Herstellern. Therapeuten sollten unbedingt darauf achten, dass das Trainingsgerät geprüft und empfohlen wurde, zum Beispiel vom Bundesverband der deutschen Rückenschulen e.v. und vom Forum »Gesunder Rücken - besser leben e.v.«. -